Traumfrau erfindet sich neu
Vom Rock’n’Roll über Musicals zum Jazz: Helen Schneider spielt auf der Klaviatur der Emotionen und verleiht Evergreens von Cole Porter, Duke Ellington oder Ella Fitzgerald neue Intensität.
Mit Helen Schneider präsentiert das 25. Idstein JazzFestival vom 10. bis 12. Juli 2009 einen attraktiven Star, der sich im Verlauf einer langen, erfolgreichen Karriere immer wieder neu erfinden konnte. Viele kennen die gebürtige New Yorkerin noch als Rocksängerin in schwarzem Leder, als Frontfrau einer punkigen Begleitband namens „The Kick“. Mit dem lasziven Song „Rock’n’Roll Gypsy“ rauscht sie in den 80ern geradewegs in die Top 10, tourt zusammen mit Udo Lindenberg durch die Republik. 1982 wird sie von der deutschen Phono-Akademie als Sängerin des Jahres ausgezeichnet – ihr blendendes Aussehen hat ihr dabei bestimmt nicht geschadet. Sie ist dann auch die erste westliche Künstlerin, die im Ost-Berliner Palast der Republik auftreten darf.
Doch bald wird ihr der Rock’n’Roll-Zirkus zu langweilig. Helen Schneider will sich weiter entwickeln. Im Berliner Theater des Westens wird sie fündig und spielt ab 1987 die Rolle der Sally Bowles im Musical „Cabaret“, an der Seite von Hildegard Knef. Es folgen weitere hochkarätige Musical-Rollen wie „Sunset Boulevard“ oder „Evita“. Zwischendrin nimmt sie eine Platte mit Liedern des Brecht-Komponisten Kurt Weill auf: „Take a Walk On The Weill Side“. Anfang des neuen Jahrtausends entwickelt sie eine One-Women-Show mit Klavierbegleitung: „A Voice and A Piano“. Nebenbei veröffentlicht das Multitalent auch noch ein Kinderbuch.
2008 überrascht Helen Schneider mit ihrem Album „Dream A Little Dream“, das von Startrompeter Till Brönner produziert wurde. Darauf widmet sich Helen Schneider amerikanischen Standards aus dem „Great American Songbook“, erweckt Evergreens wie „Sway“ oder „Love For Sale“ zu neuem Leben. Der Titelsong wurde bekannt durch die Flower-Power-Version von Cass Elliott, stammt aber aus den frühen 1930er-Jahren.
Für ihre treuen Fans sind das neue Klänge, für sie selbst ist es eher eine Rückkehr zu den Wurzeln: „Ich wurde als klassische Konzertpianistin ausgebildet“, verrät die 56-Jährige in einem Interview. „Als ich 15 oder 16 war, fing ich an, mit Blues herumzuprobieren. Und spielte neben meinen Etüden immer wieder Jazzstandards – um mich zu befreien, zu entspannen.“ Man hört das heute noch an der enormen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit ihrer Interpretationen von Cole Porter, Duke Ellington oder Ella Fitzgerald.
Keine Frage: Helen Schneider liebt den Jazz. Doch als Sängerin legt sie auch großen Wert auf Texte, die Lieder ihres aktuellen Programms versteht sie als Monologe und Geschichten. Diese Frau hat was zu sagen.
Helen Schneider: Sa., 11.7., 22.00 Uhr; Bühne L – Fraport-Bühne
Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, e-Mail: jazzfestival@idstein.de. Das komplette Festivalprogramm finden Sie auch im Internet unter www.idstein-jazzfestival.de.
