Kriminell gut

Die „Kölner Saxophon Mafia“ zählt seit Jahren zu Europas führenden Instrumentalensembles. Die humorigen Virtuosen sind eins der Highlights des 25. Idstein JazzFestivals vom 10. bis 12. Juli 2009.

Im November 1981 stürmen sechs Männer eine Nebenbühne der Musikhochschule in Köln, bewaffnet mit viel Mutwillen und Instrumenten, die ursprünglich aus der Militärmusik stammen – Saxophonen. Nichts weniger als die „saxuelle Befreiung“, so wird bald eine ihrer ersten Platten heißen, treibt die Jazz-Guerrilla an. Dabei geht es den Gründungsmitgliedern Wollie Kaiser und Joachim Ullrich nicht nur um die sexy Aura des Saxophons, sondern vor allem um die Befreiung vom Korsett einer Rhythmusgruppe, die im Jazz wie im Rock typischerweise für Swing und Groove sorgt. Und mehr: Jedes Instrument soll gleichberechtigt sein, Improvisationen und ausgeklügelte Arrangements sollen sich mischen. Brüche sind erwünscht, Humor sowieso.

Seither hat die „Kölner Saxophon Mafia“ eine beeindruckende Entwicklung hingelegt, zahlreiche renommierte Preise gewonnen und sich eine große stilistische Vielfalt erarbeitet. Neben der gesamten Sax-Familie, vom mächtigen Subkontrabass- bis zum ebenso winzigen wie anspruchsvoll zu spielenden Soprillosaxophon, nutzt das heutige Quartett auch Klangfarben von Klarinetten und Flöten. Vor allem aber haben die Musiker über viele Jahre hinweg ohne jede Berührungsangst  wilde Free-Jazz-Ausbrüche mit kammermusikalischer Raffinesse und Streifzügen durch die Welt- und Popmusik miteinander verbunden.

Auf der CD „Space Player“ etwa erschaffen die Blasvirtuosen einen vertrackten Sci-Fi-Sound, der an die berühmte Filmmusik zum „Planet der Affen“ denken lässt. Dafür gab’s den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik.“ In ihrem jüngsten Werk, „Nur nicht aus Liebe weinen“, verfremden Sie zusammen mit der Sängerin Élodie Brochier Operettenmelodien zu eingängigem, und dennoch widerhakigem Avantgardeswing. Was alle ihre musikalischen Expeditionen auszeichnet: der Wille Genregrenzen aufzubrechen, und ihre enorme Virtuosität, die sich freilich nie in den Vordergrund spielt.

Mit dem Auftritt der „Kölner Saxophon Mafia“ erlebt das 25. Idstein Jazz-Festival zum Schluss noch einmal einen Höhepunkt auf der Hauptbühne. Joachim Ullrich, inzwischen Jazzprofessor in Köln, und seine Mitstreiter Roger Hanschel, Wollie Kaiser und Steffen Schorn zählen dank ihrer brillanten Spielkultur zu den großen deutschen Kreativjazz-Formationen. Ein Abend mit ihnen besitzt hohen Unterhaltungswert sowohl für Kenner als auch für alle, die einfach nur neugierig auf unkonventionelle Töne sind.

 

Kölner Saxophon Mafia: So., 12.7., 17.30 Uhr; Bühne A


 
 
 

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