Monatsarchiv für April 2010

 
 

Stimm-Band

Das ist neu: Die A-Capella-Virtuosen „Bauchklang“ singen, zischen und spucken Grooves zwischen Trip-Hop, Pop und Drum & Bass – das muss man live gesehen haben, um es zu glauben. Die Österreicher sind eins der Highlights des Idstein Jazzfestivals vom 11. bis 13. Juni 2010.

Wenn Jazz heißt, etwas neues erfinden zu wollen, dann sind Bauchklang „Jazz 2.0“: nie gehörte Musik im Zeitalter des Internet. Hervorgebracht vom ältesten Instrument der Menschheit: der Stimme.

Die fünf Österreicher haben eine Hip-Hop-Technik weiterentwickelt, nämlich das „Beatboxing“. Bei dem fabrizierten Rapper Schlagzeug- und Perkussionsgeräusche ausschließlich mit dem Mund. Das Vokalensemble aus St. Pölten hat dieses Konzept erweitert und tritt als komplette Band in Erscheinung – mit Mund-Drums, Mund-Bass, Mund-DJ und Gesang. Ihr Repertoire umfasst eigene beatlastige Stücke, die sich nach angesagten Underground-Stilistiken wie Drum & Bass oder Trip-Hop anhören. Aber sie verfremden auch Popklassiker etwa von The Police und zeigen sie in einem ganz ungewohnten Kontext.

Bei einer gemeinsamen Aufführung des Musicals „Jesus Christ Superstar“ lernten sich die Stimm-Akrobaten kennen, das war anno 1996. Leadsänger Andreas Fraenzl stand auf Funk, andere Mitglieder der Gruppe hatten Punk-, Pop- oder sogar Metal-Background. Aus all diesen und noch mehr Einflüssen kristallisierte sich im Laufe der Jahre ein modernistischer Ensemble-Sound heraus, der weltweit als avantgardistische Tanzmusik bejubelt wird. Kritiker und Fans sind sich einig: Es ist einfach frappierend, dass Menschen so elektronisch klingen können.

Mit diesem innovativen Konzept und ihrer ansteckenden Performance gewann die fünfköpfige Truppe aus St. Pölten schon zweimal den Amadeus, den österreichischen Grammy. Sie räumten beim Jazzfestival in Montreal ab, und sie begeisterten ihre Zuhörer auch in Indien – wie auf ihrer jüngsten CD „Live in Mumbai“ zu hören.

Die Publikumsreaktionen sind übrigens fast immer die gleichen: Zuerst herrscht ungläubiges Staunen. Dann fangen die Füße an zu zucken. Und dann wird man einfach mitgerissen!

Bauchklang. Samstag, 12.06.2010, 21.00 Uhr, Naspa-Bühne, Löherplatz

Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, E-mail: jazzfestival@idstein.de.
Das komplette Festivalprogramm finden Sie im Internet unter www.idstein-jazzfestival.de

Unterstützt wird das Idstein JazzFestival von der Naussauischen Sparkasse, der Süwag Energie AG und der Fraport AG.

Jazz 2.0

Das Idstein JazzFestival vom 11. bis 13. Juni 2010 setzt auf die Jugend. In diesem Jahr eröffnet die Veranstaltung mit einem Riesentreff hunderter Blasschüler, abends sorgen junge Talente wie „Bauchklang“ oder „Pamstiddn Kings“ für ungewohnte Klänge. Und Mitmachen wird großgeschrieben!

„Jazz, das ist doch eine Musik, die sich schon seit jeher ständig erneuert hat. Musik, die lebt!“ Und dem will Frank Reichert, musikalischer Leiter des Traditionsfestivals, Rechnung tragen, mit einem neuen Programmschwerpunkt namens „Jazz 2.0“.

„Natürlich bieten wir Freunden des klassischen Swing und des Qualitäts-Jazz wie immer eine Reihe von Top-Acts“, erklärt Reichert mit Verve. „Aber heutzutage sind Interaktivität und Spontaneität ebenfalls Thema. Wir wollen auch junge Leute an diese Musik heranführen.“

Deshalb gibt es 2010 ein umfangreiches Vorprogramm, in dem sich lokale Schulbands unterschiedlicher Couleur austoben können. Und auf dem Löherplatz treffen sich erstmals mehrere hundert (!) Jungbläser zwischen zehn und dreizehn Jahren, um gemeinsam die Backen aufzublasen. Das wird eine Riesensache für die kleinen Musiker, aber sicherlich auch ein witziges Ereignis für alle Zuhörer.

Im Hauptprogramm zeigen dann Gesangstalente wie Femmes Vokal oder die Idsteiner Nachwuchs-Swingband „Junge Big Band der Musikfreunde Idstein“, dass sie schon durchaus professionelle Ambitionen hegen. Die Band wird präsentiert von SkodaAuto Deutschland.

Für musikalische Erneuerung steht das ungewöhnliche österreichische Vokalenensemble „Bauchklang“. Die A-Capella-Virtuosen haben die „Beatboxing“-Technik des HipHop zu komplexen Arrangements ausgebaut, sie singen, zischen und spucken Grooves regelrecht ins Mikro. Dabei sind sie modernen Dancefloor-Klängen näher als Bobby McFerrin. Ein Projekt mit tollen Live-Qualitäten.

Ohne Scheu vor der Tradition gehen auch die „Pamstiddn Kings“ zu Werke. Die Bläser der Südtiroler Turnschuh-Kapelle klingen bisweilen, als würden Punker sich über die Hits der Jazz- und Popgeschichte hermachen. Das ist erfrischend rustikal, vielleicht nicht gerade super-virtuos, aber von ansteckender Spielfreude. Frisches Blut fürs Genre.

Ganz auf Spontaneität und Dialog mit dem Publikum setzt schließlich „Das Magische Theater“ um den Saxofonisten Felix Fritzsche. Der sagt: „Bei uns kommt es zu einem Rollentausch. Eigentlich sind wir Musiker das Publikum, wir hören nämlich zu und setzen um, was die Leute vor der Bühne uns darbieten.“ Übersetzt heißt das: Hier gibt’s kein Wir-da-oben-ihr-da-unten. Die Künstler improvisieren völlig frei zu Anregungen aus dem Publikum, das das Ganze nicht zu bierernst nehmen sollte. Jedenfalls wird dies ein spannender und wirklich einmaliger Auftritt.

Treffen der jungen Bläser. Samstag, 12.06., 12.00 Uhr, Löherplatz
Femmes Vokal. Samstag, 12.06., 21.00 Uhr, Bühne Marktplatz
Junge Big Band der Musikfreunde Idstein. Sonntag, 13.06., 11.30 Uhr, Bühne Marktplatz
Bauchklang. Samstag, 12.06., 21.00 Uhr, Naspa-Bühne, Löherplatz
Pamstiddn Kings. Sonntag, 13.06., 15.45 Uhr, Tournesol-Bühne, Schlossgasse
Das Magische Theater. Samstag, 12.06., 19.15 Uhr, Bühne Börnchen

Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, E-mail: jazzfestival@idstein.de.
Das komplette Festivalprogramm finden Sie im Internet unter www.idstein-jazzfestival.de

Unterstützt wird das Idstein JazzFestival von der Naussauischen Sparkasse, der Süwag Energie AG und der Fraport AG.

Der Sound von Idstein

26.000 Einwohner hat die Stadt mit dem Hexenturm. Normalerweise. Am zweiten Juniwochenende kommen noch mal hunderte Musiker dazu, und viele tausend Gäste. Der Grund ist das Idstein JazzFestival, seit langer Zeit dank seines vielfältigen Programms ein Anziehungsgrund in der Region. Im neuen Jahrzehnt will Festivalleiter Frank Reichert gewohnte Qualität bewahren, und gleichzeitig neue, frische Akzente setzen.
Die Vorbereitung war aufreibend, jetzt steigt die Spannung von Tag zu Tag. „Es wird aufregend für mich – und hoffentlich auch für die Zuschauer!“, freut sich Jazz-Enthusiast Frank Reichert. „Wir bieten ein hervorragendes, internationales Bandprogramm aus allen möglichen Genres. Viele lokale Größen natürlich. Und wir haben auch einige vielversprechende junge Acts dabei, die unser Profil erneuern.“
Einen der dicksten Fische hat der Programmmacher dabei erst in letzter Minute an Land gezogen. Fersehstar Heinz Hoenig überrascht mit seiner musikalischen Ader und tut sich extra für diesen Auftritt mit den „Dicken Kindern“ zusammen. Die sind ein lockeres Musiker-Kollektiv, das sich durch spontane Neuinterpretationen von Pop, Jazz- und Soulklassikern einen guten Ruf erspielt hat. „Es wird fett!“, heißt das Motto der Groove-Spezialisten und ihres Gastsängers.
Ein weitere Publikumsmagnet ist Soulpop-Sänger Max Mutzke, der 2004 beim Grandprix d’Eurovision mit dem Hit „Can’t Wait Until Tonight“ Deutschlands Ehre rettete. Beim sympathischen Freiburger kommen die Blue Notes aus tiefster Seele, er gewinnt von Jahr zu Jahr neue Fans hinzu. Ein Star mit Bodenhaftung.
Der delikate Afro-Jazz der wunderbaren Sängerin Cécile Verny und ihres hochkarätigen Quartets ist ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Festivals, genau wie der hochklassige Moder-Bop des amerikanischen Saxofonisten Greg Abate.
Unter den klassischen Combos ragen die Swingin’ Fireballs hervor. Mit spektakulären Bläsersätzen und charmantem Crooner verbreitet Deutschlands beste Neo-Swing-Band den lässigen Glamour der Sixties. Dann gibt es schweißtreibenden Rhythm&Blues vom Briten Albie Donnelly und seiner Band Supercharge. Und natürlich sorgen die Lokalhelden von der Big Band Idstein und ihr junger Ableger „Junge Big Band der Musikfreunde Idstein“, präsentiert von SkodaAuto Deutschland, wieder für Stimmung in der Altstadt.
Ein weiterer Schwerpunkt, der dem musikalischen Leiter Reichert am Herzen liegt, sind Jazz-Erneuerer und Grenzgänger wie die faszinierende A-Capella-Band Bauchklang, oder die energiegeladenen Blas-Rebellen Pamstiddn Kings. „Die sind jung und witzig, spontan und interaktiv. Dafür haben wir diesmal die Rubrik ‚Jazz 2.0’ aus der Taufe gehoben.“
In diese Sparte gehört noch „Das Magische Theater“, das sich in freier Improvisation mit dem Publikum austauscht. Und das Treffen von mehreren hundert Blasschülern, die am Samstagmittag gemeinsam aufspielen wollen. Denn Jazz lebt auch vom Mitmachen.
Fazit: Das Idstein JazzFestival bietet auf seinen insgesamt neun Bühnen Platz für 57 Bands von Dixie bis Swing, Blues, Funk, Latin, Jazz und Pop. Und wer Lust auf Lautes hat, der kann schillernde Rock-Raketen wie Tiger B. Smith, Das Actionteam oder die Glitter Twins steigen sehen.
Heinz Hoenig & Die Dicken Kinder. Freitag, 11.06.2010, 21.30 Uhr, Naspa-Bühne, Löherplatz
Max Mutzke Live. Samstag, 12.06.2010, 23.00 Uhr, Naspa-Bühne, Löherplatz
Cécile Verny Quartet. Sonntag, 13.06.2010, 17.30 Uhr, Fraport-Bühne, Rodergasse
Swingin’ Fireballs. Samstag, 12.06.2010, 21.00 Uhr, vr bank-Bühne, Rathaus
Albie Donnelly’s SUPERCHARGE, Sonntag, 13.06.2010, 17.30 Uhr, vr bank-Bühne, Rathaus
Bauchklang. Samstag, 12.06.2010, 21.00 Uhr, Naspa-Bühne, Löherplatz
Pamstiddn Kings. Sonntag, 13.06.2010, 15.45 Uhr, Tournesol-Bühne, Schlossgasse

Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, E-Mail: jazzfestival@idstein.de

Unterstützt wird das Idstein JazzFestival von der Nassauischen Sparkasse, der Süwag Energie AG und der Fraport AG.

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