Monatsarchiv für June 2009

 
 

Von Hardbop bis HipHop

Das 25. Idstein JazzFestival präsentiert vom 10. bis 12. Juli 2009 außergewöhnliche Talente, die kreativ und locker mit unterschiedlichen musikalischen Genres und Traditionen umgehen – und damit auch ein junges Publikum begeistern.

 

Zwei Wunderknaben sind Trompeter Julian (21) und sein Bruder, Pianist Roman Wasserfuhr (24). Mit der Hommage an Westcoast-Legende Chet Baker „Remember Chet“ gelang den beiden Shootingstars aus dem Bergischen Land 2005 ein beeindruckendes Debüt. „Bakers Sound ist mein Ideal“, sagt Julian Wasserfuhr, der mit elf Jahren den Wettbewerb „Jugend jazzt“ gewann. „Und damit meine ich nicht nur den Klang seiner Trompete, sondern alles: die Art des Phrasierens, die Improvisationen und Interpretationen. Es ist nicht die Akrobatik, die einen Musiker ausmacht, sondern sein Herz.“ Mit ungekünstelter Sentimentalität und Kompositionen zwischen Modern Jazz und Hardbop begeisterte das Quartett der Brüder bereits das anspruchsvolle Auditorium der JazzBaltica und der Leverkusener Jazztage. Wüsste man nicht um ihre Jugend, gingen die Wasserfuhrs glatt als alte Meister durch.

 

Mit ihrem Projekt Jojo Effect ist Anne Schnell momentan die erfolgreichste Musikerin der Region Regensburg. Songs von Jojo Effect schmücken weltweit erfolgreiche Sampler-Reihen wie Café del Mar oder Brazilectro, und der WDR kürte den kürzlich erschienenen zweite Longplayer „Ordinary Madness“ zum „Album der Woche“. Das ehemalige Fotomodel singt darauf mit lasziver Lakonik vom Balanceakt einer Mutter zwischen Beruf und Familie oder von aufdringlichen Verehrern. Schnell schreibt die meisten Texte selbst. Die eigenständige Eklektik aus NuJazz, Latin oder Bossa Nova ist das Werk der Produzenten und Komponisten Kitty the Bill und Jürgen Kausemann. Auf der Bühne wird die schöne Sängerin von einer sechsköpfigen  Band begleitet.

 

„Ich bin bunt“, das sind Jan Rehorn (Gesang), Sebastian Menke (Gitarre), Christoph Breuer (Bass), Matthias Breuer (Schlagzeug) und Marius Brüggen (Percussion). Entsprechend vielfarbig ist das Programm der Band aus Mainz: Mit Leichtigkeit und Frische kombinieren die fünf jungen Talente Pop, Funk, Reggae oder HipHop mit deutschen Texten. 2008 siegten die Grenzgänger beim bedeutendsten Nachwuchswettbewerb in Rheinland-Pfalz, dem Rockbuster. Und auch Silbermond schätzen ihre energiegeladene Musik: Am 19. Mai präsentieren sich „Ich bin bunt“ als Warm-up für die Deutschrocker in der Mainzer Phönix-Halle. Spielfreude, treibende Grooves und rhythmische psychophysische Reaktionen – darauf kann sich auch das jugendliche Publikum in Idstein freuen.

 

 

Julian & Roman Wasserfuhr Quartet: So., 12.7., 15.00 Uhr; Bühne E

Jojo Effect: Sa., 11.7., 21.00 Uhr; Bühne A

Ich bin bunt: Sa., 11.7., 19.15 Uhr; Bühne J

 

Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, e-Mail: jazzfestival@idstein.de. Das komplette Festivalprogramm finden Sie auch im Internet unter www.idstein-jazzfestival.de.

 

Unterstützt wird das Idstein JazzFestival von der Bitburger Braugruppe, der Nassauischen Sparkasse, der Süwag Energie AG und der Fraport AG.

Treffen der Könner

Das 25. Idstein JazzFestival bietet vom 10. bis 12. Juli 2009 eine illustre Reihe hochkarätiger Musiker, die ihre Instrumente mit verblüffender Virtuosität meistern. Hier gibt es für Festivalbesucher eigenwillige bis exquisite Klangwelten zu entdecken.

 

Wenn Hermann Kock loslegt, staunt das Publikum und der Fachmann wundert sich. Mit seiner Solo-Performance sorgt der Ausnahme-Schlagzeuger schon rein optisch für Aufsehen: Ein derart kolossales Drumset mit einem geradezu verboten aussehendem Becken-Wald hat man noch nicht gesehen. Kock schuftet an diesem Riesenapparat wie ein Waldarbeiter, beeindruckt mit anspruchsvollen Ostinati und klackernden Kabinettstückchen. Aber auch mit feinfühlig-gedämpften Perkussions-Expeditionen, auf denen er in aller Ruhe seine Trommeln zum Sprechen bringt. Mehr als einmal meint man, zwei Leute auf einmal spielen zu hören.

 

Das Duo „24U“ ist auf einem ganz anderen Trip. Gitarrist Stefan Kowollig und Bassist Roland Ruck spielen sich frech und frei durch die Jazz- und Popgeschichte, arrangieren Standards,  Salonklassiker oder Beatles zu süffigen Grooves: der ideale Soundtrack zum Altstadt-Capuccino. Die Könnerschaft der beiden liegt in den ausgetüftelten Arrangements, die das Zusammenspiel von Bass und Gitarre voll und groß klingen lassen. Dabei schöpfen „24U“ aus dem Vollen, was ihre Spieltechniken angeht, wechseln spielerisch Lead- und Begleitstimmen.

 

Ein satter Klangkörper, erzeugt nur mit Gesang und Gitarre. Das ist die Domäne von „The Duo“, die sich schon lange einen Ruf als Virtuosen in Deutschland erarbeitet haben. Gitarrist Frank Haunschild wirkt als Jazz-Professor in Köln, schrieb Standardwerke zur Musiktheorie. Sänger Norbert Gottschalk spielte wie Haunschild schon mit vielen nationalen und internationalen Größen zusammen. „The Duo“ verwandeln bekannte Lieder aus Latin, Jazz und Pop mit vollendeter Spielkunst zu ihrem ganz eigenen Ding, sie swingen entspannt und leicht intellektuell.

 

Derselbe Haunschild greift auch beim Jiggs Whigham Trio, dem Gipfeltreffen dreier musikalischer Schwergewichte, in die Saiten. Jiggs Whigham ist ein Meister der Posaune, mit glänzenden Meriten: Whigham schulte seinen schmeichelnden Ton schon mit 17 Jahren beim Glen Miller- und später beim Kurt Edelhagen-Orchester, wurde erster Jazzprofessor Deutschlands und Leiter der RIAS-Big Band Berlin. Der dritte im Bunde ist Ack Van Rooyen, eine Legende am Flügelhorn. Die drei interpretieren Standards mit der ganzen Klasse von Altmeistern, die sich blind verstehen. Ihr dialogisches Zusammenspiel zeugt von allerhöchster Spielkultur, von gegenseitigem Respekt und vitaler Spielfreude, die sich unfehlbar auf ihr Publikum überträgt. 

 

Stephanie Wagner hat ihre Karriere noch vor sich, aber jetzt schon ist sie „die“ Querflötistin im deutschen Jazz. Wagner studierte in Mainz und am berühmten Berklee College in Boston. Ihr Quartett „Quinsch“ spielt leichtgängigen, dabei anspruchsvollen Modern Jazz, Stücke von Wagner selbst und etwas entlegenere Standards. Ein grooviger Latin-Swing verleiht dem Ganzen zusätzlich Farbe. Das Debüt von „Stephanie Wagners Quinsch“ ist erst vor einem halben Jahr erschienen.

Zum Schluss noch etwas Spezielles. „das blech“ ist ein sehr frisches Projekt: Sechs Blechbläser (Trompeten, Posaunen und Tuba) mit klassischem oder Jazz-Hintergrund treten gemeinsam mit dem Drummer von „Mardi Gras BB“ an, Klassiker wie Copelands „Fanfare for the Common Man“ oder Quatsch-Hymnen wie „La Cucaracca“ aufzublasen – bis Kunst daraus wird. Ein durchaus ernstgemeinter Spaß, mit viel Raum für mitreißende Improvisationen.

 

 

the duo: Sa., 11.7., 19.15 Uhr, Bühne K

das blech: Sa., 11.7., 21.45 Uhr, Bühne F

Stephanie Wagners Quinsch: So., 12.7., 12.15 Uhr, Bühne F

24U: So., 12.7., 12.15 Uhr, Bühne K

Hermann Kock Performance: So., 12.7., 15.45 Uhr, Bühne D

Jiggs Wigham Trio: So., 12.7., 15.45 Uhr, Bühne F

 

Weitere Informationen beim Verkehrsverein Idstein e.V., Tel.: 06126/78-614, e-Mail: jazzfestival@idstein.de. Das komplette Festivalprogramm finden Sie auch im Internet unter www.idstein-jazzfestival.de.